Unser Glossar
Welche Buchformate gibt es? Was ist der Unterschied zwischen Hadern- und Japanpapier? Was bedeutet es, wenn ein Buch unbeschnitten ist? Diese und weitere Fragen werden hier beantwortet. Unser bibliophilen ABC erklärt einige ausgewählte Fachbegriffe aus dem Bibliotheks- und Buchwesen. Fotos und kurze Erläuterungstexte geben Einblick in die bibliophile Welt der Vergangenheit und Gegenwart.
Autograph
Autograph
(altgriech. αὐτόγραφος autógraphos: eigenhändig geschrieben, heute Autogramm).
Schriftstück, das vom Verfasser mit eigener Hand niedergeschrieben oder unterschrieben wurde.
Ein Autograph ist die Handschrift einer bekannten Persönlichkeit, z. B. eines Schriftstellers. Als Sammelobjekt werden sie besonders geschätzt, wenn sie eine eigenhändige Unterschrift der Persönlichkeit tragen. Autografen können Briefe, amtliche Schriftstücke, die handschriftliche Niederschrift eines bedeutenden Werks oder banalen Notizen sein.
Bibliographie
Bibliographie
(altgriech. βιβλιογράφος bibliográphos: Bücherbeschreibung).
Als Bibliographie bezeichnet man ein Bücherverzeichnis. Bei einer wissenschaftlichen Arbeit verzeichnet sie alle Quellen, die verwendet wurden. Als ‚Bibliographie' kann auch die Zusammenstellung der Schriften einer Autorin oder eines Autors bezeichnet werden. Es gibt aber auch Bibliographien, die Literatur zu einem bestimmten Thema zusammentragen.
Codex
Codex
(lat. codex, Plural codices; Block, Klotz, Holzklotz)
Ein Codex besteht aus einer unterschiedlich großen Anzahl von Pergamentblättern (ab dem Spätmittelalter mehr und mehr durch Papier ersetzt). Diese Blätter werden in der Mitte gefalzt, sodass vier beschreibbare Seiten zur Verfügung stehen. Legt man mehrere solcher gefalzter Blätter ineinander, entsteht eine Buch-Lage. Die Anzahl der Doppelblätter einer Lage kann variieren; häufig zu finden sind drei-, vier- oder auch fünfblättrige Lagen. In die Falze werden mehrere Löcher gebohrt, durch die Fäden gezogen werden, mit denen weitere Lagen zur späteren Bucheinheit zusammengebunden werden.
Druckermarke
Druckermarke
Druckermarken sind heraldisch und/oder sinnbildlich gestaltete Erkennungszeichen der Buchdrucker. Bereits einige der ersten Drucker fügten ihren Werken, um deren Herkunft eindeutig zu kennzeichnen, sogenannte Druckerzeichen bei. Anfangs am Ende des Buchs, zunehmend auf dem Titelblatt, sollte so der Urhebernachweise der Drucke gegen unrechtmäßigen Nachdruck durch Dritte geführt werden. Da es aber kein juristisch geregeltes Urheberrecht gab, verloren sie zunehmend ihre ursprüngliche Aufgabe und wurden nach für nach schmückendes Beiwerk.
Entwicklungsroman
Entwicklungsroman
Ein Entwicklungsroman ist eine Buchgattung, bei der sich die Hauptfigur mit sich selbst und seiner Umwelt auseinandersetzt. Die geistig-seelische Entwicklung steht damit im Zentrum der Geschichte. Die Protagonisten reflektieren ihre Erlebnisse und Erfahrungen und integrieren diese in ihre Persönlichkeit. In vielen Fällen führen die oft negativen Erfahrungen zu einer langsam reifenden Persönlichkeit, die letztlich die richtigen Schlüsse zieht.
Zu den bekanntesten Beispielen für Entwicklungsromane gehören Johann Wolfgang von Goethes „Wilhelm Meister“, Gottfried Kellers „Grüner Heinreich“, Carlo Collodis „Pinocchio“ oder Hermann Hesses „Siddartha“.
Format
Format
In der heutigen Zeit sind Formate genormt: Alle kennen sie, zum Beispiel Schulblöcke in DIN A4 oder Hefte in DIN A5 oder Druckerpapier in DIN A4. Im Mittelalter jedoch gab es noch keine genormten Blätter - dennoch existierten bereits verschiedene Formate. Doch wie kam es zu diesen?
Die Größe der Pergamentblätter, die aus Tierhäuten hergestellt wurden, bestimmten das Format und gaben bestimmte Normen vor. Diese konnten jedoch vaiieren, je nachdem, wie die Blätter letztlich beschnitten und gefaltet wurden Ein Beispiel: Ein heutiges Blatt in DIN A4 Format. Wenn wir dieses in der Mitte falten, erhalten wir einen Doppelbogen im DIN A5 Format.
Dreht man diesen geschlossenen Doppelbogen so, dass der Falz - also der Knick im Blatt - nach oben zeigt und faltet das Blatt ein weiteres Mal, erhält man ein DIN A6-Format. Faltet man das Blatt ein drittes Mal, entsteht das DIN A7-Format.
Auch die unterschiedlich großen Pergamentblätter wurden so gefaltet, doch spricht man in diesem Zusammenhang nicht von DIN-Formaten. Diese Übersicht gibt hier eine Auskunft:
| Name | Falz - Faltungen | Blätter | Seiten |
| Folio | einmal gefaltet | 2 | 4 |
| Quart | zweimal gefaltet | 4 | 8 |
| Oktav | dreimal gefaltet | 8 | 16 |
| Duodez | viermal gefaltet | 12 | 24 |
| Sedez | fünfmal gefaltet | 16 | 32 |
Goldschnitt
Goldschnitt
Der Goldschnitt bezeichnet die Vergoldung des Buchschnitts mit Blattgold. Heute wird häufig nur noch der Kopfschnitt, also der obere Schnitt des Buches, vergoldet. Zur weiteren Verzierung wurde der Goldschnitt auch punziert. Er hat, wie auch der Farbschnitt, die Funktion zu verhindern, dass Staub oder andere Verunreinigungen zwischen die Buchseiten geraten.
Hadernpapier
Hadernpapier
Die ersten Papiere, die in europäischen Papiermühlen seit dem Mittelalter hergestellt wurden, waren aus Textilien. Hadernpapier wurde ganz oder überwiegend aus Lumpen hergestellt. Papier aus Textilien ist extrem stabil und langlebig. Beweisen können dies zahlreiche mittelalterliche Bücher aus Hadernpapier, die auch heute noch in einem sehr guten Zustand sind – trotz ihres beeindruckenden Alters.
Handeinband
Handeinband
Vor der maschinellen Herstellung von Bucheinbänden wurde grundsätzlich jeder Bucheinband von Hand gefertigt. Heute ist der künstlerisch gestaltete Handeinband ein Unikat. Er verbindet handwerkliche Techniken mit individueller Gestaltung. Der mittelalterliche Prachteinband dient hier als Vorbild. Der besondere Einband repräsentiert auch den Besitzer des Buches. Je aufwendiger das Buch und der Einband gestaltet werden, desto bedeutender ist die Besitzerin oder der Besitzer.
Im Gegensatz zum Unikat sind Verlagseinbände meist maschinell in Massenproduktion hergestellte Einbände, und häufig an Qualität vermissen lassen.
Inkunabel
Inkunabel
(lat. in-cunabula = „Wiege“, daher auch „Wiegendrucke“).
Als Inkunabeln werden die ersten Drucke und Bücher bezeichnet, die seit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg (um 1450) bis zum Jahr 1500 hergestellt wurden. Die Auflagenhöhe lag anfangs zwischen 300 und 600 Exemplaren, um 1500 bei ca. 1.000. In ihrer Gestaltung lehnten sie sich anfangs noch sehr eng an die Handschriften des Mittelalters an. Nach und nach wurde die Schrifttype (Schriftart) vereinfacht. Illustrationen wurden mitgedruckt, anstatt nachträglich eingefügt zu werden. Initialen, Überschriften oder auch Kolorierungen wurden weiterhin von Hand ausgeführt.
Japanpapier
Japanpapier
Das echte Japanpapier wird aus der Rinde des Papiermaulbeerbaums im Handverfahren hergestellt. Der verwendete Rohstoff färbt das Papier leicht gelblich und verleiht ihm einen seidigen Glanz. Die Rinde wird durch Weichen im Wasser und Schlagen in lange, seidige Fasern zerkleinert, die außerordentlich zähes und dennoch weiches, leicht durchsichtiges Papier ergeben. Echtes Japanpapier ist teuer und wird fast ausschließlich für Luxusdrucke verwendet.
Kettenbuch
Kettenbuch
Als Kettenbuch bezeichnet man ein zum Schutz vor Diebstahl und Herabfallen mit einer Kette versehenes Buch, das am Lesepult bzw. an einer quer über dem Pult laufenden Eisenstange befestigt wurde. Außerdem half die Kette, das gelesene Buch wieder an den richtigen Platz im Regal zu stellen. Die Kette war am Buch meist am hinteren oberen Rand angebracht. Im Mittelalter war das Kettenbuch sehr verbreitet, doch bereits im 17. Jahrhundert war es nur noch selten anzutreffen. Bibliotheken wuchsen nach oben und Ketten wurden unpraktisch.
Letter
Letter
Der Begriff Letter bezeichnet den Bleibuchstaben, der für den Druck spiegelverkehrt gegossen wurde. An der Unterseite der einzelnen Buchstaben befindet sich eine kleine Rille, die es ermöglichte, beim Setzen des Textes sicherzustellen, dass alle verwendeten Lettern der gleichen Schriftart entsprachen. Vor der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg im Jahre 1450 mussten Druckplatten – die auch als Druckblöcke bezeichnet werden – aus Holz oder Metall unter großem Aufwand hergestellt werden. Dabei wurde der gesamte Text in das Material geschnitzt oder gepunzt. Die Revolution des Buchdrucks lag demnach in der Einführung beweglicher Lettern: Diese ermöglichten es, Wörter schnell und flexibel zusammenzustellen und so Texte in großer Zahl zu produzieren. Diese Erfindung veränderte den Druckprozess in Europa und legte den Grundstein für die Wissensverbreitung.
Mumiendruck
Mumiendruck
Ein Buch, das künstlich auf alt gemacht wurde, bei dem sogar der Eindruck von Moderschäden erzeugt wurde. Die bekanntesten Mumiendrucke stammen von C.M. Seyppel: "Ägyptische Humoresken "(1882), "Er, Sie, Es" (1883), die angeblich in den Pyramiden des Pharaonen gefunden wurden und "Christoph Columbus Logbuch" (1884).
Nummeriertes Exemplar
Nummeriertes Exemplar
Um den Seltenheitswert eines bibliophilen Druckes kenntlich zu machen, werden diese nummeriert. Solche seltenen Werke sind dann nummerierte Exemplare.
Offizin
Offizin
Als Offizin werden Werkstätten bezeichnet, hier insbesondere die Druckwerkstätte.
Pressendruck
Pressendruck
Im ausgehenden 19. Jahrhundert entstand als Gegenpol zur industriellen Massenproduktion von Büchern eine Bewegung, deren Ziel die künstlerische Gesamtgestaltung des Buches war – was heute als Pressendruck bezeichnet wird. Man orientierte sich bei der Herstellung an mittelalterlichen Handschriften oder Inkunabeln. Das Streben nach perfekter Harmonie von Text, Schriftart, Illustration, Papier, Druck und Bucheinband stand im Mittelpunkt. Ausgangspunkt dieser Privatdrucke war England. Pressendrucke wurden oft in kleinen Handbuchbindereien anspruchsvoll und individuell gebunden. Die kleinen Auflagen sind häufig u. a. von den Künstlerinnen und Künstlern signiert. Oft existieren zusätzlich besonders ausgestattete, teurere Vorzugsausgaben, zum Beispiel mit aufwendigerem Einband, edlerem Papier oder zusätzlichen Grafiken.
Quertitel
Quertitel
Bei einem aufgestellten Buch kann der Quertitel bequem von links nach rechts gelesen werden. Er verläuft in Leserichtung über den Buchrücken. Er ist nur ab einer gewissen Buchdicke möglich.
Rubrikator
Rubrikator
Der Rubrikator war der Gehilfe eines Schreibers oder Kopisten einer mittelalterlichen Schreibstube, der nach dem Schreiben eines Textes, die Überschriften oder Initialen oder Buchstabenverzierungen meist mit rötlicher Tinte per Hand rubrizierte. Nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern verschwand der Beruf des Rubrikators mit der Zeit.
Sütterlin
Sütterlin
Sütterlin wird häufig als Synonym für „Deutsche Schreibschrift“ benutzt. Im Grunde handelt es sich bei der „Sütterlin“ jedoch um eine Sonderform der deutschen Schreibschriften. Im Jahr 1915 legte Ludwig Sütterlin (1865–1917) den Entwurf seiner Reformschrift vor, die allerdings nur von 1935 bis 1941 als Schreibschrift an den deutschen Schulen gelehrt wurde. Die Sütterlin-Schrift unterscheidet sich von der „Deutschen Schrift“ bzw. der „Kurrentschrift“ hauptsächlich durch die senkrechte Ausrichtung der Buchstaben und die gleichmäßige Strichstärke.
Taschenbuch
Taschenbuch
Als Taschenbuch bezeichnet man heute kleinformatige, preiswerte Bücher im Kartoneinband, die in hoher Auflage zu einem günstigeren Preis verkauft werden. Als Nachfolge des Musen-Almanachs war das Taschenbuch vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weit verbreitet. Vorwiegend handelte es sich um eine jährlich erscheinende Veröffentlichung für die gehobene Unterhaltung.
Unbeschnitten
Unbeschnitten
Ein Buch wird als unbeschnitten bezeichnet, wenn dessen Buchblock vom Buchbinder nicht aufgeschnitten worden ist. Um die Seiten einzeln zu blättern, muss das Buch zum Lesen zuerst oben und seitlich aufgeschnitten werden.
Universalbibliothek
Universalbibliothek
Eine Universalbibliothek versucht, möglichst umfassend alle Wissensgebiete abzudecken und für jedes Wissensgebiet die wichtigsten Veröffentlichungen aus dem In- und Ausland in ihren Bestand aufzunehmen.
Vorzugsausgabe
Vorzugsausgabe
Vorzugsausgaben haben gegenüber Normalausgaben eine besondere Ausstattung. Das Papier hat eine bessere Qualität, oft sind sie mit zusätzlichen Illustrationen versehen. Die Einbände sind aufwendiger gestaltet, manchmal mit exklusiven Handeinbänden. Vorzugsausgaben können aber auch Originale oder signierte Exemplare sein.
Widmungsexemplar
Widmungsexemplar
Widmungsexemplare sind Bücher, die mit einer handschriftlichen persönlichen Widmung der Autorin oder des Autors auf dem Titelblatt oder der Vorsatzseite an Freunde oder Bekannte versehen wurden. Dadurch haben sie häufig auch einen biographischen Wert. Widmungsexemplare wurden auch an einflussreiche Persönlichkeiten versandt, um bei Erscheinen des Werkes eine positive, wohlwollende Kritik zu bekommen.
Xylographie/Holzschnitt
Xylographie/Holzschnitt
(altgriech. ξύλον xýlon = „Holz“ und γραφία graphia: von γράφειν gráphein „schreiben, zeichnen“)
Die Xylographie, oder der Holzschnitt ist eine sehr alte Drucktechnik, bei der eine Zeichnung in Holz geschnitten wird. Die Umrisse einer Zeichnung werden, ähnlich wie beim Kupfer- oder Stahlstich, in quergefasertes, dadurch hartes Holz, geschnitten. Die so hergestellte Druckplatte wird mit Farbe eingefärbt und durch Druck auf ein Blatt Papier gedruckt, ähnlich wie bei einem Stempel.
Yellowback
Yellowback
Beim Wort Yellowbacks denkt man eventuell an die kleinen gelben Reclam-Heftchen. Doch die haben nichts damit zu tun.
Yellowbacks sind eine besondere Kategorie preiswerter Bücher, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien aufkamen. Ihre auffälligen, mit Glanzpapier überzogenen Einbände und der niedrige Preis von ein bis zwei Schilling waren bewusst darauf ausgerichtet, die wachsende Leserschaft anzusprechen. Meist waren sie Nachdrucke von Romanen, die ursprünglich als gebundene, teure Leinenausgaben erschienen waren.
Zimelien
Zimelien
(altgriech. κειμήλιον keimélion: Kleinod, Kostbarkeit).
Zimelien sind sehr seltene, häufig einmalige, wertvolle und besonders geschützte Bücher in Bibliotheken oder Archiven. Sie sind kostbare Stücke mit besonderer Ausstattung oder Bedeutung.