Der Mann hinter der Bibliothek und seine Geschichte
Das Interesse an der Person, die diese unglaubliche Bibliothek zusammentrug, ist sehr groß. Allerdings lässt sich das Lebensbild des Stifters, Adolf Brehm, nicht ganz einfach zusammensetzen. Zu Lebzeiten sprach er nur sehr selten über sich und seine Vergangenheit. Aufzeichnungen zu seinem Leben oder zu seinen Motiven für die Bibliothek existieren nicht.
Ein Leben für die Bibliothek
Bei der Entscheidung nach Deutschland zu gehen, und damit die Sammlung an die Öffentlichkeit zu bringen, ging es nicht um ein äußeres Ziel, sondern um eine innere Bestimmung. Brehm war von dem tiefen Wunsch beseelt, ein Ganzes, eine Universalbibliothek zu gestalten.
Adolf Brehm hatte immer Sorge, dass fremde Menschen seine wertvollen Bücher beschädigen könnten. Zwar kam er der Aufforderung des Landkreises, Führungen anzubieten nach, jedoch unternahm er wenig, um die Bibliothek in der Öffentlichkeit bekannter zu machen – so wussten selbst viele „Arolser“ nichts von der Existenz dieser Bibliothek. Der Bücherdieb, der im Jahr 2012 die Fürstlich Waldecksche Hofbibliothek heimsuchte, bestärkte Brehm in der Einstellung, die Bibliothek in einem „Dornröschenschlaf“ zu belassen.
Darüber hinaus war Adolf Brehm ein perfektionistischer Mensch. Stets fehlte es an diesem und jenem, was Anlass war, mit der weiteren Öffnung der Bibliothek noch zu warten, bis alle Eventualitäten geklärt waren. Die Haltung verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass Brehm allen privaten Luxus für seine Bibliothek geopfert hat. Sogar seine Kranken- und Pflegeversicherung hatte er aufgelöst, um das Geld in seine Bibliothek investeriern zu können.
Wenn Adolf Brehm persönlich eine Führung durch seine Bibliothek leitete, dann konnte selbst die Kurzführung schon bis zu neun Stunden andauern. Brehm besaß ein un-
glaubliches Wissen. Man könnte ihn als eine Art Renaissancemenschen bezeichnen, der sich über alle Themengebiete zumindest die Grundlagen aneignete.
Jeder, der Adolf Brehm kennenlernen möchte, sollte seine Bibliothek zu einer Führung besuchen. Denn an keinem Ort kann man ihm bis heute so nahekommen wie in
seiner Bibliothek. Diese Kurzbiografie wird der komplexen Persönlichkeit des Stifters kaum gerecht – zu vielschichtig und zu facettenreich war der Mensch Adolf Brehm.