Der Mann hinter der Bibliothek und seine Geschichte

Das Interesse an der Person, die diese unglaubliche Bibliothek zusammentrug, ist sehr groß. Allerdings lässt sich das Lebensbild des Stifters, Adolf Brehm, nicht ganz einfach zusammensetzen. Zu Lebzeiten sprach er nur sehr selten über sich und seine Vergangenheit. Aufzeichnungen zu seinem Leben oder zu seinen Motiven für die Bibliothek existieren nicht.

1927

Geburt und Jugend

Am 15. September 1927 wird Adolf Brehm in Zürich in vergleichsweise bescheidene Verhältnisse hineingeboren. In der Schule fällt er durch seinen außerordentlichen Lernwillen und wachen Geist auf.

ab 1935

Vom Traum zur Wirklichkeit

So verbringt er viel Zeit mit dem Lesen von Büchern und hegt Träume. In dieser Zeit reifen seine drei Herzenswünsche heran: ein Berner Sennenhund, ein Bauernhof und eine Bibliothek – die drei großen B´s –, die er in verschiedenen Lebensabschnitten verwirklichte.

1946

Studium

1946 studiert Adolf Brehm ein Jahr Literatur in Paris. Er kehrt in die Schweiz zurück und beginnt an der Universität Zürich ein Jurastudium.

1955

Studienabbruch

Nach dem Sommersemester 1955 bricht er aus persönlichen Gründen das Studium ab. Seine Motivation hatte ihn verlassen und er strebt nach Selbstständigkeit. Brehm wird als Treuhänder tätig.

1955

Beginn der Sammelleidenschaft

In den 1950er Jahren beginnt Adolf Brehm mit dem Erwerb von antiquarischen Büchern, Möbeln und Stichen.  Ihn interessierten die herausragenden Zimelien des Buchmarktes, er wollte aber auch „hinter und neben ein Hauptwerk blicken“. Er fragte sich z. B., was zeitgleich mit der Schedelschen Weltchronik, dem Narrenschiff von Sebastian Brant oder dem „Simplicissimus“ von Grimmelshausen erschienen war.

1964

Gründung der Schwedenhaus & Bauelemente AG

Am 26. April 1964 gründet er die Schwedenhaus & Bauelemente AG in Zürich. Die Firma importierte unter dem Motto „Erst formt der Mensch sein Haus, dann formt das Haus den Menschen“ montagefertige Konstruktionselemente und Innenausbauteile aus Schweden.

ab 1971

Eine Bibliothek entsteht

Ab 1971 nehmen die Neuerwerbungen an Büchern, Möbeln, Karten und anderen Gegenständen stark zu, was seiner verbesserten wirtschaftlichen Situation zu verdanken ist. Seine Erwerbungen sind nicht ziellos: er tätigt sie mit Verstand und Akribie. Im Jahr 1985 umfasst seine Bibliothek fast 20.000 Bände. Da er sich selbst der Besonderheit seiner Sammlung bewusst ist, wird der Wunsch, die Bibliothek für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, immer größer. Sie soll für spätere Generationen den deutschen Sprach- und Kulturraum dokumentieren.

1985

Zukunftssicherung der Bibliothek

In der Schweiz sieht er keine realistische Zukunft, daher macht er sich 1985 auf den Weg Deutschland, ohne zu wissen, wo er mit der in 480 Bücherkisten verpackten Sammlung landen wird.

1990

Ein neues Zuhause für die Bibliothek

1990 kann die Bibliothek in den Westflügel des Residenzschlosses Arolsen einziehen.

1995 bis 2007

Auf Gut Höhnscheid

Adolf Brehm wohnt zunächst auf Gut Höhnscheid bevor er 2007 in eine Wohnung über seiner Bibliothek im Residenzschloss umzieht, nicht zuletzt, um seiner Sammlung näher zu sein. Hier lebt er 15 Jahre lang.

2022

Die letzten drei Monate des Lebens des Stifters

Die letzten drei Monate seines Lebens verbringt er in einer Pflegeeinrichtung nahe Bad Arolsen. Dort stirbt er am 21. April 2022 im Alter von fast 95 Jahren.

Ein Leben für die Bibliothek

Bei der Entscheidung nach Deutschland zu gehen, und damit die Sammlung an die Öffentlichkeit zu bringen, ging es nicht um ein äußeres Ziel, sondern um eine innere Bestimmung. Brehm war von dem tiefen Wunsch beseelt, ein Ganzes, eine Universalbibliothek zu gestalten.

Adolf Brehm hatte immer Sorge, dass fremde Menschen seine wertvollen Bücher beschädigen könnten. Zwar kam er der Aufforderung des Landkreises, Führungen anzubieten nach, jedoch unternahm er wenig, um die Bibliothek in der Öffentlichkeit bekannter zu machen – so wussten selbst viele „Arolser“ nichts von der Existenz dieser Bibliothek. Der Bücherdieb, der im Jahr 2012 die Fürstlich Waldecksche Hofbibliothek heimsuchte, bestärkte Brehm in der Einstellung, die Bibliothek in einem „Dornröschenschlaf“ zu belassen.

Darüber hinaus war Adolf Brehm ein perfektionistischer Mensch. Stets fehlte es an diesem und jenem, was Anlass war, mit der weiteren Öffnung der Bibliothek noch zu warten, bis alle Eventualitäten geklärt waren. Die Haltung verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass Brehm allen privaten Luxus für seine Bibliothek geopfert hat. Sogar seine Kranken- und Pflegeversicherung hatte er aufgelöst, um das Geld in seine Bibliothek investeriern zu können.

Wenn Adolf Brehm persönlich eine Führung durch seine Bibliothek leitete, dann konnte selbst die Kurzführung schon bis zu neun Stunden andauern. Brehm besaß ein un-
glaubliches Wissen. Man könnte ihn als eine Art Renaissancemenschen bezeichnen, der sich über alle Themengebiete zumindest die Grundlagen aneignete.

Jeder, der Adolf Brehm kennenlernen möchte, sollte seine Bibliothek zu einer Führung besuchen. Denn an keinem Ort kann man ihm bis heute so nahekommen wie in
seiner Bibliothek. Diese Kurzbiografie wird der komplexen Persönlichkeit des Stifters kaum gerecht – zu vielschichtig und zu facettenreich war der Mensch Adolf Brehm.

Das Leben des Stifters in Bildern