Vorgeschichte und Gründung
Die Bibliothek Brehm Stiftung wurde am 22. Mai 1990 mit der Genehmigung der Stiftungssatzung durch die Stiftungsaufsicht beim Regierungspräsidium Kassel errichtet. Vorausgegangen war ein fast drei Jahre andauernder intensiver Diskussions- und Abwägungsprozess. Beteiligte waren die späteren Stifter, der Schweizer Unternehmer und Sammler Adolf Brehm (1927-2022) und der Landkreis Waldeck-Frankenberg, vertreten durch die Waldecksche Domanialverwaltung (WDV), sowie externe Fachleute und Wissenschaftler.
Die durchweg positiven Befunde der Fachleute bildeten das Fundament für die Gründung der Bibliothek Brehm Stiftung.
Der Gründungsprozess der Stiftung
Am 12. Juli 1989 traf die Domanialkommission unter Vorsitz von Dr. Welteke einen Grundsatzbeschluss zur Errichtung der Brehm Stiftung. Dieser wurde am 2. Oktober von der nach den Kommunalwahlen neu besetzten Domanialkommission ausdrücklich bestätigt. Nur einen Monat später, am 13. November 1989, beauftragte der Kreistag Waldeck-Frankenberg die Domanialverwaltung, der Stiftung beizutreten und 1 Million D-Mark als Stiftungsvermögen bereitzustellen.
Im Februar 1990 unterzeichneten die Stifter Adolf Brehm und der Landkreis, die gemeinsam erarbeitete Stiftungsverfassung und reichten diese zur Genehmigung bei der Stiftungsaufsicht ein. Der Landkreis/WDV brachte Barvermögen von einer Millionen D-Mark in das Stiftungsvermögen ein, Adolf Brehm seine in 480 Normkartons verpackte Sammlung. Dies waren ingesamt rund 20.000 historische Bücher.
Einige besonders bezeichnete Stücke, darunter die 1517 erschienene, teilkolorierte Pergamentausgabe des Theuerdank von Kaiser Maximilian I., verblieben im Besitz von Herrn Brehm. Dieses Werk ist bis heute das materiell wertvollste Buch der Sammlung der Bibliothek Brehm Stiftung.
Der Aufbau und die Erweiterung der Bibliothek
Der Aufbau der Bibliothek ging nur in kleinen Schritten voran. Die betreffenden Räumlichkeiten mussten fertiggestellt und dann mit der notwendigen Infrastruktur ausgestattet werden. Außerdem zeigte sich, dass der Bestand der Bibliothek derart umfangreich war, dass sie mehr Räume als die ursprünglich vorgesehenen acht bis zehn beanspruchte. Im Endeffekt wurden es 20 Räume.
In den folgenden Jahren übertrug Herr Brehm nach und nach weitere Bücher, Mobiliar und Kunstobjekte in den Besitz der Stiftung. Zudem baute er seine Sammlung durch gezielte Zukäufe weiter aus. Gegen Ende seines Lebens umfasste die Bibliothek rund 44.000 Exponate, darunter neben Büchern auch Handschriften, Urkunden, Inkunabelblätter, Stiche, Mobiliar und historische Landkarten.
Der Erhalt der Stiftung als geschlossenes Ganzes
Etwa 60 Prozent des Bestands waren 2022, im Todesjahr des Stifters, im Besitz der Stiftung, 40 Prozent waren noch Eigentum von Herrn Brehm. Dieses Segment wäre nach dem Tod von Herrn Brehm möglicherweise an den Schweizer Staat gefallen, da Herr Brehm keine erbberechtigten Verwandten mehr hatte. Davon betroffen gewesen wären sowohl der „Theuerdank“ als auch sämtliche historische Karten, über 2000 Einzelstücke von teilweise unschätzbarer historischer und kultureller Bedeutung. Frau Rosemarie Hafner, die langjährige Freundin und Vertraute Herrn Brehms, konnte gemeinsam mit Dr. Hartmut Wecker den Stifter in den letzten Monaten seines Lebens davon überzeugen, seine Sammlung als geschlossenes Ganzes zu erhalten und ein Testament aufzusetzen, das die Stiftung als alleinige Erbin einsetzt.
Damit blieb das unvergleichliche und einzigartige Gesamtensemble im Westflügel des Arolser Residenzschlosses als Ganzes erhalten. Frau Hafner gilt dabei ein ganz besonderer Dank, da sie zugunsten der Stiftung auf zahlreiche wertvolle Objekte verzichtete, die Herr Brehm ihr ursprünglich zugedacht hatte.
Dadurch blieb die Sammlung von Adolf Brehm in seiner Vollständigkeit erhalten und kann weiterhin bestaunt und bewundert werden.